Ohrenschmerzen beginnen bei Kindern oft plötzlich – häufig abends oder nachts. Dein Kind weint, fasst sich ans Ohr, schläft schlecht oder wirkt ungewöhnlich gereizt. Besonders bei kleinen Kindern ist nicht immer sofort klar, ob wirklich das Ohr schmerzt oder ob ein Infekt, Zahnen oder Halsschmerzen dahinterstecken.

Ohrenschmerzen treten häufig im Rahmen einer Erkältung auf. Gerade bei Kleinkindern kann sich hinter dem Trommelfell Flüssigkeit stauen und Druck verursachen. Eine akute Mittelohrentzündung ist möglich, lässt sich aber nur durch eine Untersuchung des Ohres sicher erkennen. Viele unkomplizierte Ohrinfektionen bessern sich innerhalb weniger Tage von selbst.

Woran du Ohrenschmerzen bei kleinen Kindern erkennen kannst

Ältere Kinder können meist zeigen oder sagen, wo es wehtut. Bei kleineren Kindern sind die Zeichen oft weniger eindeutig.

Mögliche Hinweise sind:

  • plötzliches Weinen oder starke Unruhe
  • häufiges Aufwachen in der Nacht
  • Reiben, Ziehen oder Halten des Ohres
  • Fieber
  • schlechteres Hören oder verzögerte Reaktion auf Geräusche
  • weniger Appetit
  • Druckgefühl oder ein „verstopftes“ Ohr
  • Flüssigkeit, Eiter oder Blut, das aus dem Ohr läuft

Das Berühren des Ohres allein beweist allerdings keine Mittelohrentzündung. Manche Kinder greifen beim Zahnen, bei Müdigkeit oder einfach aus Gewohnheit ans Ohr.

Was häufig hinter Ohrenschmerzen steckt

Bei Kindern entstehen Ohrenschmerzen besonders häufig während oder nach einem Atemwegsinfekt. Wenn die Verbindung zwischen Nasen-Rachen-Raum und Mittelohr anschwillt, kann Flüssigkeit nicht mehr gut abfließen. Der entstehende Druck hinter dem Trommelfell kann schmerzhaft sein und das Hören vorübergehend beeinträchtigen.

Weitere mögliche Ursachen sind:

  • eine Entzündung des Gehörgangs
  • Wasser oder Reizungen nach dem Schwimmen
  • ein Fremdkörper im Ohr
  • eine Verletzung durch Wattestäbchen oder andere Gegenstände
  • ausstrahlende Schmerzen aus Hals, Zähnen oder Kiefer

Welche Ursache tatsächlich dahintersteckt, lässt sich ohne Blick auf Gehörgang und Trommelfell oft nicht zuverlässig unterscheiden.

Was du zunächst tun kannst

Wenn dein Kind ansonsten ansprechbar ist, ausreichend trinkt und keine Warnzeichen zeigt, kannst du ihm zunächst helfen, die Schmerzen besser auszuhalten.

Schmerzen ernst nehmen

Ohrenschmerzen können sehr stark sein. Altersgerechte Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können sinnvoll sein. Verwende sie nur passend zu Alter und Gewicht und nach der empfohlenen Dosierung. Bei Unsicherheit helfen Kinderarztpraxis oder Apotheke weiter.

Ruhe und Nähe geben

Viele Kinder sind mit Ohrenschmerzen besonders anhänglich und schlafen schlecht. Ruhe, Körperkontakt und eine angenehme Schlafposition können entlasten.

Regelmäßig trinken anbieten

Gerade bei Fieber oder gleichzeitigem Infekt ist ausreichendes Trinken wichtig. Kleine Mengen in kurzen Abständen werden oft besser angenommen.

Nichts ins Ohr stecken

Verwende keine Wattestäbchen und gib keine Ohrentropfen, Öle oder Hausmittel ohne fachliche Empfehlung ins Ohr. Ist das Trommelfell verletzt, können ungeeignete Mittel problematisch sein.

Braucht eine Mittelohrentzündung immer Antibiotika?

Nein. Viele akute Mittelohrentzündungen bessern sich innerhalb von zwei bis drei Tagen auch ohne Antibiotikum. Im Vordergrund steht zunächst eine ausreichende Behandlung der Schmerzen. Ob ein Antibiotikum sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Alter des Kindes, der Stärke der Beschwerden, dem Befund im Ohr und dem Verlauf ab.

Diese Entscheidung sollte die Kinderarztpraxis nach der Untersuchung treffen. Antibiotika auf eigene Faust oder übrig gebliebene Medikamente sollten nicht verwendet werden.

Vorübergehend schlechteres Hören

Nach einem Infekt kann noch einige Zeit Flüssigkeit hinter dem Trommelfell bleiben. Dadurch hört dein Kind möglicherweise vorübergehend dumpfer, obwohl die Schmerzen schon verschwunden sind.

Sprich das in der Kinderarztpraxis an, wenn du über mehrere Wochen bemerkst, dass dein Kind:

  • häufiger nachfragt
  • den Fernseher lauter stellt
  • auf leise Ansprache schlechter reagiert
  • undeutlicher spricht oder sprachlich weniger Fortschritte macht

Anhaltende Flüssigkeit im Mittelohr kann das Hörvermögen beeinträchtigen und sollte kontrolliert werden.

Wann sollte mein Kind zum Kinderarzt?

Vereinbare möglichst zeitnah einen Termin, wenn:

  • die Ohrenschmerzen stark sind oder trotz Schmerzmitteln anhalten,
  • Fieber dazukommt und dein Kind deutlich krank wirkt,
  • die Beschwerden nach zwei bis drei Tagen nicht besser werden,
  • dein Kind schlechter hört,
  • Flüssigkeit, Eiter oder Blut aus dem Ohr läuft,
  • die Ohrenschmerzen immer wieder auftreten,
  • dein Kind noch sehr jung ist und du eine Mittelohrentzündung vermutest,
  • eine Verletzung oder ein Fremdkörper im Ohr möglich ist.

Wann muss ich sofort medizinische Hilfe holen?

Hole umgehend medizinische Hilfe, wenn dein Kind:

  • ungewöhnlich schläfrig, apathisch oder schwer weckbar ist,
  • starke Schmerzen oder eine Schwellung hinter dem Ohr entwickelt,
  • das Ohr deutlich absteht,
  • einen steifen Nacken, starke Kopfschmerzen oder wiederholtes Erbrechen hat,
  • sich innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlechtert.